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Lesenswerte Bücher für Blinde empfehlen

Oncken-Stiftung startet neues Projekt: Mehr Buchvielfalt für Blinde

Bad Homburg – Die Oncken-Stiftung (Bad Homburg) will sich stärker als bisher um Blinde und Sehbehinderte kümmern. Die 155.000 blinden und rund 500.000 sehbehinderten Menschen in Deutschland sollen künftig die beliebtesten Bücher als Hörbuch im Daisy-Format anhören können. Das gab der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Heinz Sager (Bad Homburg), bekannt. Zugleich hat der die Freunde der Stiftung zur doppelten Unterstützung aufgerufen. Zunächst sollten sie der Stiftung besonders lesenswerte Bücher empfehlen. Die Vorschlagsliste könne vom glaubensstärkenden Sachbuch bis hin zu säkularen Romanen alle Gattungen umfassen, meint Sager. Wenn sich ein Trend abzeichne und es das entsprechende Buch noch nicht als Hörbuch gebe, werde man dieses Projekt als Stiftung gemeinsam mit dem Evangelischen Blinden- und Sehbehindertendienst in Deutschland (EBS) in Marburg verwirklichen. Zum anderen benötige die Stiftung entsprechende Spenden, um das Projekt realisieren zu können. Der Handlungsbedarf bestehe, weiß Sager. Jährlich erschienen über 100.000 neue Bücher auf dem Markt in Deutschland. Nur ein Bruchteil davon werde als Hörbuch produziert. Etwa 70 Bücher erstelle dabei der EBS jedes Jahr. „Das dürfen gerne noch einige Hörbücher mehr werden“, rät Sager. Als neues Standardformat für Blinde hat sich das Daisy-System bewährt. Es ist eine Abkürzung für Digital Accessible Information System, das interaktiv betrieben werden kann. Der Benutzter kann auf den entsprechenden CDs mit einem leicht zu bedienenden Daisy-Abspielgerät gezielt Seiten und Abschnitte ansteuern. Die Umsetzung eines Buches in ein Hörbuch kostet etwa 1.000 Euro. Auch die Zeitschrift DIE GEMEINDE soll schon bald im Daisy-Format erhältlich sein. Bisher wird sie noch als normale Audiokassette für Blinde besprochen und vom EBS vertrieben. Entsprechende Pläne gibt es auch für die missionarische Verteilzeitschrift „Frieden für Sie“.

Sager zog ferner ein positives Fazit der letzten größeren Aktion der Stiftung: Sie hatte zum Jahresende 10.000 Bücher des baptistischen Theologen Ernst-Peter Weldin (Siek bei Hamburg) „Ich möcht, dass einer mit mir geht“ verschenkt. Die reich bebilderten Bücher sollten Kranken und Alten Trost spenden. Innerhalb von sechs Wochen seien alle Bücher vergriffen gewesen, so Sager. Inzwischen seien viele begeisterte Rückmeldungen bei der Stiftung eingegangen, dass diese Bücher wirklich ihr Ziel erreicht hätten. „Viele Beschenkte haben uns geschrieben oder angerufen und erklärt, dass sie in schweren Lebenslagen getröstet worden seien und neue Hoffnung bekommen hätten.“ Ähnlich hätten sich auch Seelsorger nach Besuchen in Krankenhäusern und Altenheimen ausgedrückt. Inzwischen ist das Buch vergriffen. Im Frühjahr soll es für 6,95 Euro im Buchhandel (und der Oncken Versandbuchhandlung) wieder erhältlich sein. Sager dankte zugleich allen Spendern. Dadurch versetzten sie die Stiftung in die Lage, weitere missionarische Literaturprojekte umzustetzen.

Die 2002 gegründete Oncken-Stiftung fördert die Verbreitung missionarischer Literatur. Sie ist auch Eigentümerin des 1828 gegründeten Oncken-Verlages (Kassel). Verlag und Stiftung sind nach dem Hamburger Kaufmann Johann-Gerhard Oncken (1800-1884) benannt, dem Begründer des Verlages und des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Vorschläge für Bücher und Kontakt: stiftung@oncken.de

Klaus Rösler


Trostworte am Krankenbett: Wie man sie findet

Vor sechs Jahren wurde die OnckenStiftung gegründet, die heute unter anderem den Oncken Verlag als Gesellschafter verantwortet. DIE GEMEINDE-Redakteur Klaus Rösler sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Heinz Sager:

Frage:  Heinz Sager - sind Sie mit dem Erreichten zufrieden?

Sager: Wir waren schon 2002 sehr erstaunt, wie schnell das Stiftungskapital durch Spenden zusammenkam. Seit damals  spenden viele Menschen für unterschiedliche Projekte.

Frage: Welche Projekte standen für Sie im Vordergrund?

Sager: Das Projekt mit der größten Wirkung nach außen war sicher die Übersetzung der Lektionen  der Bibelstudienreihe "Treffpunkt Bibel" ins Russische. Hier hat uns u.a. die Bundesagentur für Arbeit in Kassel unterstützt, indem sie uns ein Jahr lang kostenlos die Übersetzerin zur Verfügung gestellt hat. Diese Materialien stehen heute russischen Gemeinden kostenlos zur Verfügung.

Frage: In Ihren Anzeigen bitten Sie auch um Spenden für Blinde? Was geschieht mit diesem Geld?

Sager: Wir sorgen dafür, dass Blinde unsere Produkte hören können. Wir sind sehr froh, dass ein wir in Kurt H. Möller aus Freistatt ein exzellenten Sprecher gefunden haben, der etwa die Zeitschrift  DIE GEMEINDE für Sehbehinderte und Blinde auf Kassette spricht, die wir dann kostenlos an Blinde und Sehbehinderte weitergeben können.

Frage: In einem Bericht in der Zeitschrift DIE GEMEINDE über die Arbeit war zu lesen, dass die Kassetten-Technologie für Blinde nicht mehr dem Stand der Technik entspricht. Was folgt daraus?

Sager: Das stimmt.  Die Kassettentechnik läuft aus. Nun gibt es das DAISY Verfahren. Die Abkürzung steht für Digital Accessible Information System, also ein digitales System für den Zugang zu Informationen. Auf eine einzige CD passen im DAISY-Format 40 Stunden. Und alle Kapitel können direkt angesteuert werden. Das ist gerade für Blinde eine erhebliche Erleichterung. Mit diesem Verfahren können wir auch künftig Hörbücher gezielt für Blinde und Sehbehinderte kostengünstig produzieren. Allerdings muss die Technik zunächst einmal angeschafft werden.

Frage: Hat die Oncken-Stiftung neue Projekte in Planung?

Sager: Natürlich. Wir sind sehr dankbar über den Spendeneingang in diesem Jahr. Unser Stiftungsziel ist es, die Verbreitung christlicher Literatur zu fördern. Wir stehen hier vor einer ganz neuen Herausforderung. Jeder, der krank ist, der im Krankenhaus liegt, ist besonders auf Worte des Zuspruchs angewiesen. Solche Worte tun einfach gut. Und hier muss ich ehrlich bekennen:  Ich weiß oft nicht, was ich sagen soll. Mir fehlen die passenden Worte, wenn ich am Krankenbrett stehe. Die Folge: Manch ein Kranker ist sicher enttäuscht, dass wirkliche Trostworte nicht gesagt wurden. Und ich denke, vielen von uns geht es nicht anders.

Frage: Und wie will die Stiftung das ändern?

Sager: Der jetzt im Ruhestand lebende Pastor Ernst-Peter Weldin war früher Krankenhausseelsorger. Er hat ein besonderes Buch geschrieben. Es heißt: "Ich möchte, dass einer mit mir geht".  Als Stiftung haben wir uns entschlossen, einen Teil der eingegangenen Spenden für die Produktion von insgesamt 10.000 Büchern zu verwenden. Kurz gesagt: Die Stiftung verschenkt 10.000 Bücher mit je einer Grußkarte von der baptistischen Künstlerin Hannelore Clemenz-Rau. 

Frage: Dadurch ist noch kein einziger Kranker getröstet. Wie kommen die Bücher zu den Kranken?

Sager: Hier ist zunächst einmal jeder Christ persönlich herausgefordert. Ihm sollte bewusst sein oder werden, dass kranke Menschen auf Worte des Zuspruchs und auch auf persönliche Zuwendung warten.  Jeder, der möchte, kann dieses Buch mit Grußkarte bei der Stiftung bestellen. Kostenlos. Und es dann lesen und weiter verschenken.  So gilt dieses Angebot nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Besuchsdiensten, diakonische Gruppen oder auch Gemeinden.

Frage: Wie kommt man an das Buch?

Sager: In dieser Ausgabe der GEMEINDE findet sich eine Anzeige der Oncken-Stiftung, die auf diese Aktion noch einmal besonders hinweist. Außerdem haben wir eine Bestellkarte beigelegt. Der einfachste Weg ist sicher die Bestellung über unsere Homepage www.oncken-stiftung.de.

Frage: Und dann sind die Erlöse der Stiftung aufgebraucht. Und was dann?

Sager: Wir sind sicher, dass diejenigen, die mit dem Buch gute Erfahrungen gemacht haben, auch die Rolle der Oncken Stiftung bei dem Projekt zu würdigen wissen und sich finanziell durch Spenden beteiligen - so dass die Stiftung auch weiter ihr Stiftungsziel umsetzen kann.
Solche Zuwendungen lassen sich übrigens über die sonstigen Spenden hinaus als Stiftungsspenden zusätzlich absetzen.

Danke für das Gespräch.