◄ KW36 KW38 KW39 ►


Suchbegriff
Nachrichten in dieser Woche:


zoom drucken Diese Nachrichten werden kostenlos von der OnckenStiftung zur Verfügung gestellt. Wenn Sie uns unterstützen wollen, können Sie das hier tun.

Zum Gedenken: Radfahren auf dem „Mauerweg“

Vor 50 Jahren wurde in Berlin die Mauer errichtet – Eingemauert in Ost und West

Berlin – Vor 50 Jahren wurde in Berlin am 13. August die Mauer errichtet, die dann nach der friedlichen Revolution in der DDR 1989 wieder verschwand. Welche Erfahrungen Nordberliner Baptisten mit der Mauer verbinden, das wurde in zwei besonderen Veranstaltungen deutlich. Anfang September trafen sich 45 Mitglieder aus den Gemeinden Wedding, Reinickendorf, Niederschönhausen, Weißensee, Mitte (Anklamer Str.) und Prenzlauer Berg zu einer Fahrradtour auf dem „Mauerweg“, der den früheren Verlauf der Mauer beschreibt. Start war an der Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße im ehemaligen Ostberlin. „Wir wurden dankbar für die Freiheit, die auch diese Tour entlang des Mauerstreifens aufzeigte“, heißt es dazu in einem Bericht von Ulrich Arndt aus Weißensee. Immer wieder erinnerten Zeitzeugen und Berichte die Radfahrer daran, dass Menschen unsinnig ihr Leben lassen mussten, als sie versuchten, die Mauer zu überwinden und in die Freiheit zu gelangen. Umso dankbarer waren die Radfahrer, als sie sich an die Öffnung und den Fall der Mauer erinnerten. In den Gesprächen zwischen West- und Ostberlinern wurde deutlich, dass beide Gruppen das Gefühl des Eingemauertseins in der Stadt kannten – wenn auch mit unterschiedlichen Möglichkeiten, diesem Gefühl zu entkommen. Die Tour endete nach 35 Kilometern in der Waldkirche in Heiligensee, die im ehemaligen Westberlin unmittelbar an der Mauer lag. „Wer die Vergangenheit vergisst, verliert die Zukunft“, hieß es in der Abschlussandacht.

Schon vier Wochen zuvor erlebten 60 Senioren einen Tag der Erinnerung an den Mauerbau. Sie trafen sich an der Mauer-Gedenkstätte. Nach einer kurzen Einführung durch Pastor Reinhard Assmann konnten sie dort eine Ausstellung besichtigen, einen Aussichtsturm besteigen oder einen Film anschauen, der kurz nach der Grenzöffnung entstanden ist. Dabei wurde ein Flug im Hubschrauber entlang der ehemaligen Mauer von Potsdam um den südlichen Teil Berlins herum bis zur Brücke am Bahnhof Bornholmer Straße gezeigt. In der Kapelle der Versöhnung auf der anderen Straßenseite begrüßte Pastor Johannes Rosemann die Teilnehmer. Gemeinsam sangen alle den Kanon „Dona nobis pacem" (Herr, gib uns Frieden).

Pfarrer Manfred Fischer von der Versöhnungsgemeinde informierte dort die Besucher über die frühere Versöhnungskirche, die von der DDR 1985 gesprengt worden war, weil sie damals die Sicht und das Schussfeld am Todesstreifen behindert hatte. Die Mitglieder dieser Gemeinde wohnten sowohl im Ost- wie im Westteil Berlins. Wie er sagte, habe Gott aus den Trümmern des Vergangenen neue Aufgaben und Möglichkeiten entstehen lassen. In die Wände der neuen Kirche sind Steinsplitter des alten Gebäudes eingefügt worden. Den Abschluss bildete ein Kaffeetrinken in der baptistischen Zoar-Gemeinde. Dabei wurde in den Gesprächen untereinander immer wieder die Freude deutlich, dass nicht Herrscher und Machthaber die Geschichte bestimmen, sondern Gott das letzte Wort spricht. Aber auch schmerzhafte Erinnerungen kamen zur Sprache, Trennungen, die Familien und auch Baptistengemeinden zerrissen.

Es wurde auch daran erinnert, dass genau am Tag des Mauerbaus in Berlin im Stadtteil Gesundbrunnen eine Zelt-Evangelisation mit dem baptistischen Evangelisten Hermann Hokema (Jever) stattfand. Für den 13. August 1961 stand in den gedruckten Programmen das Thema: „Der aufregende Tag in einer Stadt“. Gerade für Ostberliner Gemeinden wurde der Tag dramatisch, weil viele Mitarbeiter in letzter Minute in den Westen gingen und in den Gemeinden schmerzliche Lücken hinterließen, wie Wilfried Weist sich erinnert. Dass die Mauer 28 Jahre lang stehen würde, sei damals unvorstellbar gewesen. Allerdings hätten in den Folgejahren viele nicht glauben können, dass sie jemals abgerissen würde. Weist erinnerte an einen Ausspruch des Präsidenten des Baptistenbundes in der DDR, Herbert Morét (Berlin), auf der historischen Vereinigungs-Bundeskonferenz 1991 in Siegen. Er habe zu seinen Lebzeiten eher mit der Wiederkunft Jesu als mit dem Fall der Mauer gerechnet.

Klaus Rösler

(23.09.2011)