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Menschen in der Passionszeit über Jesus informieren

Sieben Gemeinden haben in diesem Jahr fast durchweg gute Erfahrungen mit Ostergärten gemacht

Kassel

– Sieben Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden haben in diesem Jahr einen Ostergarten veranstaltet. Dabei handelt es sich um eine Erlebnisausstellung zu dem Karfreitags- und Ostergeschehen der Bibel, die alle Sinne anspricht. Das Konzept wurde von dem landeskirchlichen Diakon Lutz Barth und seiner Frau Annette aus Linkenheim bei Karlsruhe im Jahr 2.000 entwickelt. Seitdem haben Ostergärten einen Siegeszug angetreten. In manchen Jahren wurden bei Ausstellungen über 100.000 Besucher gezählt. Allein in diesem Jahr gab es in Deutschland 34 solcher Sinnenparks.

Die Gemeinde Schleswig zum lud zum sechsten Mal zu einem Ostergarten ein. Wie Gemeindepastor Matthias Lange der GEMEINDE mitteilte, haben 1.300 Besucher vorbei geschaut. Darunter seien zahlreiche Schulklassen gewesen. Auch Gäste der Suppenküche der Gemeinde ließen sich durch den Sinnenpark führen. Zudem gab es ein Familienfest und „Führungen für Wachgebliebene“ ab 21 Uhr. Der Pastor: „Wir haben so viele Menschen mit dem Evangelium erreicht wie noch nie. Von Lehrern haben wir erfahren, dass auch Schüler, die jetzt die Schule abschließen, den Ostergarten, den sie vor Jahren besucht haben, in guter Erinnerung haben. Wir vertrauen darauf, dass der Same, den wir mit dem Ostergarten ausgestreut haben, später bei den Besuchern aufgeht.“ Allerdings räumt Lange ein, dass die Gemeinde den Ostergarten zum letzten Mal angeboten habe. Das Konzept sei nach wie vor gut, doch suche die Gemeinde nun nach neuen missionarischen Möglichkeiten. Er freut sich über ein weiteres Ergebnis der Ostergärten in den letzten Jahren: „Unserer Gemeinde begegnet man in der Stadt mit mehr Wertschätzung. Und aus der Sektenecke sind wir herausgekommen.“

1.400 Besucher schauten im Ostergarten der Gemeinde Essen-West vorbei. Gerade bei katholischen Christen sei man auf hervorragende Resonanz gestoßen, meinte Gemeindepastor Georg Hermann: „Wir haben sie zu einem interaktiven Kreuzweg eingeladen. Darunter konnten sie sich etwas vorstellen.“ Eine Lehrerin sei so begeistert gewesen, dass sie gleich mit sechs Schulklassen die Ausstellung besucht habe. Immer wieder habe man auch beobachtet, dass am Vormittag eine Schulklasse gekommen sei – und nachmittags hätten die Kinder dann voller Begeisterung ihre Eltern mitgebracht. Bei den Führungen hätten auch Mitarbeiter aus anderen Gemeinden der Essener Evangelischen Allianz ausgeholfen. Der Ostergarten sei die Frucht einer Gebetsgruppe gewesen. Im letzten Jahr habe er über Evangelisation und Mission gepredigt. Daraufhin sei die Gebetsgruppe entstanden, die sich regelmäßig getroffen habe, um im Gebet nach Gottes Willen zu fragen. Und in der Gruppe habe sich der Eindruck verfestigt, dass für die Gemeinde ein Ostergarten dran sei. Die Gegenstände für die Ausstellung habe man der Gemeinde Meppen abgekauft. Nur beschädigte Teile habe man neu erstellt oder dazu gekauft. Insgesamt 60 Mitglieder der Gemeinde hätten sich eingebracht.

In der Gemeinde Gifhorn besuchten 2.000 Interessenten den zum vierten Mal organisierten Ostergarten, wie Organisatorin Bettina Völpel mitteilte. Man organisiere die Erlebnisausstellung lange vor den Osterferien – andernfalls würde man Mitarbeiterprobleme bekommen. Die Gemeinde  überlege allerdings, ob sie die Altergrenze für den Besuch weiter anhebe. In diesem Jahr habe man empfohlen, dass die Kinder mindestens fünf Jahre alt sein sollten. Kleinere Kinder hätten Probleme, das Ostergeschehen zu verstehen. 

Zum zweiten Mal gab es einen Ostergarten in der Gemeinde Uetersen, der rund 1.900 Besucher zählte. Auch die Bürgermeisterin und der Bürgervorsteher hätten vorbei geschaut. Für ausländische Gäste habe es zwei Führungen auf Englisch gegeben. Auch viele Pastoren mit ihren Konfirmandengruppen hätten den Ostergarten besucht, erfuhr DIE GEMEINDE.

Die Gemeinde Stralsund lud bereits zum dritten Mal zu einem Ostergarten ein. Allerdings sei in diesem Jahr die Reaktion doch sehr verhalten gewesen. „Wir hatten nur 320 Besucher“, sagte Gemeindepastor Axel Schlüter. Warum das Echo so gering sei, könne man sich letztlich nicht erklären. „Vielleicht liegt es doch an der ganz speziellen Situation hier bei uns im Osten“, mutmaßte er. Ostern gehöre als christliches Fest nicht zur Kultur der Menschen im weithin entkirchlichten Mecklenburg-Vorpommern.  Man werde daher mit dem Ostergarten im nächsten Jahr pausieren.

Völlig andere Erfahrungen machte dagegen die „Gemeinde für Menschen“ in Aschersleben in Sachsen-Anhalt. Hier war die Resonanz auf den zum zweiten Mal organisierten Ostergarten so groß, dass man sogar eine Woche anhängen musste, um die vielen Nachfragen bewältigen zu können, erläuterte Gemeindepastor Martin Kölli. Am Ende habe man 2.500 Besucher gezählt. Er räumte ein, dass dieses große Echo auch ein Resultat der Gemeindegründungsarbeit nach der Friedlichen Revolution gewesen sei. Noch sein Vorgänger David Acton habe als aus den USA stammender Missionar regelmäßig mit Teams die Schulen besucht, und so sei Vertrauen entstanden. Daran habe die Gemeinde nun anknüpfen können. Auch die Medien hätten breit über den Ostergarten im Gemeindezentrum berichtet. Im MDR-Fernsehen habe es einen vierminütigen Beitrag über den Ostergarten in Ascherleben gegeben. Kölli: „Es ist hier wirklich viel Gutes passiert.“ Besonders freut der Pastor sich auch, dass die Gemeinde in den vier Wochen der Ausstellung eine kostenlose Bleibe in einer christlichen Schule bekommen habe, wo sie ihre Gottesdienste feierte.

Ähnlich positiv sieht es auch Pastor Hermann Hemmes aus der Gemeinde Offenburg Ostergärten. Sie hat bereits zu vierten Mal eine solche Erlebnisausstellung organisiert – alle zwei Jahre. 1.400 Besucher schauten in diesem Jahr vorbei. Wie Hemmes sagte, hat die Gemeinde das Konzept ein wenig verändert. Weil das Karfreitagsgeschehen auf manche Besucher einen etwas düsteren Eindruck gemacht habe, habe man in diesem Jahr mehr über Jesus Christus erzählt. Man habe ihn als Persönlichkeit geschildert, mit dem die Menschen seiner Zeit gerne zusammengewesen seien. „Das ist gut angekommen“, so Hemmes. Ein Ostergarten sei eine gute Möglichkeit, „die Menschen mit dem Evangelium zu erreichen“. 

Ostergarten-Erfinder Lutz Barth freut sich über solche doch meist positiven Rückmeldungen. Und dennoch ist er ein wenig betrübt. Das hängt mit der rechtlichen Konstruktion seiner Stelle zusammen. Er ist Mitarbeiter der badischen Landeskirche. Doch auch in anderen Landes- und Freikirchen haben die Ostergärten inzwischen große Akzeptanz gefunden – nicht zuletzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Die Landeskirche erwartet, dass diese Partner sich an der Finanzierung der Stelle von Barth und seiner Frau beteiligen. Aber eine rechtliche Handhabe haben die beiden nicht. Und so hoffen sie, dass nach einem positiv verlaufenen Ostergarten manche Gemeinde auch eine Dankeskollekte zusammenlegt – und sie sich so auch an der Finanzierung neuer Projekte beteiligt. So gibt es inzwischen auch die Ausstellung „Menschen begegnen Jesus“, die das ganze Jahr über eingesetzt werden kann. Sie soll von der Umsetzung nach Erfahrungsberichten beteiligter Gemeinden sogar „noch besser als ein Ostergarten sein“. Und für das Lutherjubiläum 2017 arbeitet das Ehepaar an einer neuen Ausstellung über das Leben des Reformators.

Klaus Rösler
(25.04.2014)