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Nicht immer hing ein Kreuz in Baptistengemeinden

Kirchbautagung des Arbeitskreises Architekten + Freikirche: Nachlass von Siegfried Brauer übergeben

Karlsruhe

In den ersten Jahrzehnten war in deutschen Baptistengemeinden ein Kreuz an der Wand unerwünscht. Daran erinnerte der baptistische Kirchengeschichtler Prof. Martin Rothkegel vom Theologischen Seminar Elstal (FH) auf der Kirchbautagung des „Arbeitskreises Architektur + Freikirche“ vom 2. bis 4. November im neuen Gemeindezentrum der Baptistengemeinde in Karlsruhe. Wie Rothkegel erläuterte, seien die ersten Baptisten eine stark puritanisch geprägte Glaubensgemeinschaft gewesen. In ihren für Gottesdienste genutzten Räumen habe es traditionell weder Bilder noch Kreuze gegeben. Der Grund dafür seien die Zehn Gebote mit dem ihrem Bilderverbot angeführt worden. Statt der Kreuze sei in den ersten Baptistengemeinden oft ein Bibelspruch an die Wand geschrieben worden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg seien auch in Baptistengemeinden Kreuze aufgehängt worden. Wozu ein Kreuz dort aber eigentlich diene, sei nicht klar, denn es werde nicht angebetet und ihm auch sonst keine besondere Ehre erwiesen. In seinem Überblick über freikirchliche Bautraditionen der vergangenen Jahrhunderte erinnerte Rothkegel ferner daran, dass die meisten Traditionen den heutigen Freikirchlern überhaupt nicht bekannt seien – was wiederum ein typisch freikirchliches Phänomen sei. So hätten etwa die alten Baptisten in den USA den Gottesdienst in Familienboxen verfolgt, aus denen sie kaum herausschauen konnten. Weithin unbekannt sei auch, dass das Anzünden von Kerzen bei den böhmischen Brüdern bis heute ein Tabu sei.

Auf dem Treffen wurde den 35 Teilnehmern auch der Gottesdienstraum des Gemeindezentrums in Karlsruhe vorgestellt, der ganz aus Lehm errichtet worden ist. Darüber hin aus erläuterten fünf Architekten Projekte aus ihrer aktuellen Arbeit: Sie präsentierten freikirchliche Gemeindehäuser in Eschweiler, Platendorf, Bad Homburg, Limburg und Leipzig. Der Architekt Ulrich Arndt (Berlin) hielt ein Plädoyer für gute Architektur, die Andacht und Kontemplation unterstützen müsse.

Wie auf dem Treffen ferner bekannt wurde, sei der Nachlass des baptistischen Kirchenbauarchitekten Siegfried Brauer (1920 – 1992) dem Arbeitskreis übergeben worden. Brauer hatte nach dem Zweiten Weltkrieg etwa 150 freikirchliche Bauten geplant. Der Nachlass soll künftig im Oncken-Archiv in Elstal verwahrt werden.

Für den Arbeitskreis war es das 26. Treffen. Seit der ersten Zusammenkunft 1986 gab es 13 Exkursionen, 13 Tagungen und mit Unterstützung der Spar- und Kreditbank Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Bad Homburg wurden dreimal Preise für vorbildliche Gemeindezentren verliehen. Eigenen Angaben zufolge hätten viele Tagungen Anstöße zur Erneuerung der Gemeindehäuser wie auch zur Erneuerung freikirchlicher Liturgien und Gottesdienstformen geliefert. Der Arbeitskreis hat Kontakt zu etwa 60 Architekten vor allem aus dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden sowie aus dem Bund Freier evangelischer Gemeinden.

Kontakt: www.architektur-und-freikirche.de

Klaus Rösler
(09.11.2012)